Dienstag, 10. Februar 2015

Aachen | Das große Fressen und Saufen ... (1)

Wer zählt die Zecher, nennt die Namen, die gastlich hier zusammen kamen? (frei nach Schiller aus »Die Kraniche des Ibykus«)

Die erste Aachener Gaststätte, in die ich meinen Fuß hinein gesetzt hatte, war das Restaurant Reulen in der Sandkaulstrasse 109.


Im Juli 1970 war´s gewesen. In Aachen fand das legendäre Open Air Pop Festival auf dem Reiterstadion Soers statt. Mach ich mal irgendwann was darüber.

Hab einen Spaziergang in die Stadt gemacht und bin mit Ruck- und Schlafsack sowie leicht hautgout und hungrig da mal rein gegangen.

Als ich am Tisch saß und meine Bestellung aufgegeben hatte, fragte mich der Wirt doch tatsächlich, ob ich auch genug Geld hätte für die Rechnung ... Ich hatte! 

Der Laden war eigentlich gar nicht mal so teuer und auch ganz gut in der Qualität. 

Später hat das wohl jemand anderes übernommen und Karl Pach
vom Aachener Untergrund fand den Laden im Jahre 2009 wohl nicht so pralle.

Heute ist da die Café&Bar ZuHause drinnen.

Bin nie wieder rein gegangen ... Nie wieder!!!
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Dafür im Laufe der Jahrzehnte in hunderte andere Kneipen, Restaurants, Kaschemmen, Clubs, Tanzschuppen und sonstige Lokale von Hui bis Pfui ...

Zwei Läden haben meinen späteren Werdegang (wohin auch immer?) nachhaltig geprägt.

Das Forum bei Julio in der Wirichsbongardstraße am Elisenbrunnen ...

Forum bei Julio | 1976

... und das Degraa am Theater unter der Leitung der Degraa-Brauer-Dynastie der Familie Schwichtenberg und dem Willi Vonderbank link1 und link2, mit dessen Nichte ich wenige Jahre später eine ganz deftige Amour fou hatte.

Degraa am Theater

Der Julio hieß phonetisch so was wie ´Dificenzio´ mit Nachnamen  oder ähnlich. 

Er war ein fast blinder italienischer Anarchist mit einem außergewöhnlichen Krollekopf, der des öfteren seinen Strom für die Kneipe nicht bezahlen konnte. 

Dann brannten auf den Tischen und der Theke Kerzen, an denen er sich gerne seine Zigaretten angezündet hat, was seiner Frisur mitunter nicht gut bekam, da diese leicht entflammbar war, worauf wir ihm immer wieder mal seinen Krollekopf in das Spülbecken tauchen mussten, was ihn anfangs verärgerte, während er es später  ulkig fand, da sich diese Performance zu einem Publikumsmagneten entwickelte.

Das ist er vor der Kneipe. Der mit der Wolle im Gesicht und dem trüben Blick ... :-). Damals war die Straße noch eine Autostraße.

Forum in der Wirichsbongardstraße 1975
 
Den Abend- und Nachtumsatz haben wir mit ihm und seiner Frau sowie den ganzen anderen illustren Gestalten dann so gegen 3 oder 4 Uhr in der frühen Nacht in der Kneipe Heppion - die auch Friesenstube genannt ward - versoffen, wo er sich bei der Gelegenheit dann auch schon mal ein Fass Bier "ausborgte", wenn es für eine ordentliche Bestellung beim Getränkelieferanten mal wieder nicht reichte. Die "Bezahlung" wurde bei ihm gerne als "Solidarbeitrag" verbucht.

Irgendwann war´s Irgendwelchen wohl zu viel und er hat sich nach Rotterdam oder Antwerpen abgesetzt.

Von der Gaststätte Heppion (später Friesenstube) gibt es auf der Seite vom Aachener Bild- und Tonarchiv e.V. eine Aufnahme aus dem Jahre 1952 link ( das sechste Bild in der Galerie).
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Im Degraa am Theater hatte ich 1975/´76 meinen ersten Job in Aachen als Tellerwäscher in der Küche für 5,00 DM die Stunde. Das konnte nie langen, für bis zum Millionär durch zu machen aber mein erster Kühlschrank mit Tiefkühler war immer prall gefüllt.

Das hatte ich mir vom Julio abgeguckt ... :-))). Von wegen "Solidarbeitrag"  und so ...

Lange war ich nicht dort. Hab 1977 die Abendschule angefangen und fast zehn Jahre im Eurogress in der Technik gearbeitet.
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Zum Thema Gastronomie - im wirklich aller weitesten Sinne in Aachen - werde ich unter obigen Titel in loser Abfolge immer mal wieder Print-Anzeigen aus meinem Photoarchiv einstellen.

Obwohl chronologisch fast nichts sicher ist, beginne ich mal mit den halbwegs identifizierbaren alten Sachen.

Abgescannt habe ich das Material aus den Aachener Magazinen 1. Aachener Kneipen und Veranstaltungskurier | rülps  aus dem Jahre 1979 (es gab eh nur diese eine Nummer) ...


rülps Februar 1979


... und dem Veranstaltungsmagazin für Aachen | "Die Printe" aus den Jahren vor oder mitten oder sogar bis etwa nach 1983. Keine Ahnung mehr ...

die Printe Dezember 1983

 Jetzt geht´s los!


1979 Pauls Schänke | aus: Die Printe

"Pauls-Schänke"?  Ich kann mich echt nicht erinnern, jemals was von dieser Gaststätte gehört zu haben.
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Wohingegen halb Aachen ohne die folgenden griechischen Läden dem Hungertode geweiht gewesen wäre.

Dinosaurus

Was war das für ein feiner und toller Laden, wo man auch schon mal problemlos auf den Tischen tanzen konnte.

Dinosaurus

Vor paar Jahren war dann Schluss.

Wirtin Athena Kompsopoulos bedauert: Am Sonntag gehen im „Dinosaurus” die Lichter aus Kult-Restaurant macht dicht

und 

„Lennet Kann”, „Insulaner” und „Dinosaurus” machen dicht

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Im altehrwürdigem Limburger Hof fanden nach den Konzerten im Eurogress von Mikis Theodorakis oder Nana Mouskouri die besten After-Shows statt und, - sowieso !!! - der Laden war gut.


Limburger Hof

Na ja! Auch hier hieß es dann 

Limburger Hof schließt nach 46 Jahren

Was da heute drinnen ist, ist kulinarische Sittenstrolcherei ohne gleichen.
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 Was für ein herber Verlust für die Aachener Griechen-Scene war es, als im August 2012 Anestis Georgiadou - der Chef vom Pallas - starb. Ein Schlag in die Magengrube, den viele bis heute nicht verschmerzt haben.

Pallas: Ein Grieche „der ersten Stunde“ schließt

„Jede Menge gute Erinnerungen“: Restaurant Pallas schließt

Das Pallas


Im Pallas hab ich 1983 nach einer halbverhungerten und bodenlosen Pleite-Tramptour per Anhalter von Portugal nach Aachen meine Lebensgeister dank der Hilfe und Gastfreundschaft der Familie Anna und Anestis Georgiadis wieder erlangt. Ich war so voll gefressen, daß mich der Chef mit seinem Auto nach Hause fuhr ...

Die Kinder von den beiden kenne ich schon, wo sie noch auf allen Vieren durch den Laden krabbelten.

Hier das letzte (Abschieds-) Essen in einem öfter mal umgebauten Pallas.

Die letzte Mahlzeit 2012
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Das Knossos ist von den alten Griechen wohl das älteste noch existierende und man kann dort immer noch ganz gut essen.


Das Knossos

Das soll es für´s Erste einstweilen gewesen sein.

Die Tage mach ich mal u.a. was über Madame Dumont und den beiden Jungs vom Türmchen Erwin und Stanek.

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